Zu Eben Moglen: Illegales Kopieren

“Freedom of thought” wurde gerade eben auf der re:publica wortreich und -gewandt von Eben Moglen gefordert. Recht hat er – und deshalb können illegale Kopierer durchaus auch mal als Freiheitshelden gefeiert werden:

Illegale Kopien: Nabokov-Texte im Museum in Sankt Petersburg

Im Nabokov-Museum in Sankt Petersburg steht eine Vitrine mit handgeschriebenen oder mit der Schreibmaschine abgetippten Texten des Autors. Abgeschrieben von Menschen, die seine in der Sowjetunion verbotenen Texte liebten und sie auch anderen zugänglich machen wollten. In mühevoller Arbeit, unter hohem persönlichen Risiko schrieben sie die Bücher ab und konnten, meist mit Hilfe von Durchschlagpapier, immer nur sehr wenige Kopien auf einmal machen.

Sollte Nabokov etwas dagegen gehabt haben, dass seine Texte so verbreitet wurden? Nabokov konnte übrigens – es sei ihm gegönnt – in seinen letzten zwei Lebensjahrzehnten von seinen Tantiemen leben.

Junge und Mädchen

Bild

Schild: Vorsicht Kinder

Junge und Mädchen - oder?

Fundort: Südtirol

Jungs tendieren zum rechten Winkel (z. B. Schultasche), während für Mädchen spitzwinklige Formen charakteristisch sind (Schultasche,  Haarschleife, Körperformen).
Die Dynamik geht vom Jungen aus, er ist vorne dran und führt das Mädchen mit sich, klar, er ist ja auch größer. Wenn er nur bloß mal nicht seinen Kopf verliert!

“Die Beschilderung dient der Information, Dokumentation oder als Signal.” (de.wikipedia.org/wiki/Schild (Zeichen), Abruf am 27. April 2012)

Mannheim: Von Bürgerstolz und moderner Technik

Am vergangenen Wochenende, bei der „Langen Nacht der Museen“ im Rhein-Neckar-Dreieck, wurde er wieder einmal sehr schön in Szene gesetzt: Der Mannheimer  Wasserturm, eigentlich nichts weiter als ein Hochbehälter zur Speicherung von Wasser, ist das Wahrzeichen der Stadt und hat seit über hundert Jahren seinen Platz im Herzen der Mannheimer.

Wasserturm in Mannheim bei der Langen Nacht der Museen 2012

Noch immer imposant: Der Wasserturm in Mannheim bei der Langen Nacht der Museen 2012

Der Wasserturm selbst wurde 1889 fertiggestellt. Erst später folgte die Anlage des gesamten Platzes. Zu der ausdrücklich repräsentativ gewünschten Gestaltung des Bauwerks war ein Wettbewerb ausgeschrieben worden. Der Standort war zwar auch  von praktischen Überlegungen bestimmt, lag aber in Bezug zur Innenstadt auf einem ähnlich zentralen Punkt wie das Mannheimer Schloss und zeigt die Bedeutung, die diesem ja im Grunde rein technischen Bauwerk zugemessen wurde.

Diese herausragende Stellung  verdankt der Wasserturm einerseits seiner Funktion: Er versorgte (übrigens noch bis ins Jahr 2000) die ständig wachsende städtische Bevölkerung mit sauberem Trinkwasser und beugte so Epidemien vor, die in den beengten Industriestädten damals an der Tagesordnung waren.

Mit dem Wasserturm setzten die Mannheimer aber auch ihrem Bürgersinn selbstbewusst ein Denkmal. Sie bejahten damit eine moderne, städtische Lebensweise – und bedienten sich dabei mangels neuer Konzepte der höfischen Formensprache des Barock, die auch allgemein in der gründerzeitlichen Architektur wieder auflebte.

Und heute? Der Wasserturm samt neobarockem Dekor ist immer noch attraktiv. Wo sind eigentlich unsere aktuellen symbolträchtigen Technik-Bauten?

Ein Platz in Hannover: Waterloo und Fußballfieber

Public Viewing zur Fußball-EM auf dem Waterlooplatz: Bis zu 20 000 Zuschauer können im Juni 2012 (wie schon bei der WM 2006) in Hannover kostenlos und live die Spiele der deutschen Nationalmannschaft verfolgen.

Dass dafür mitten in der Stadt trotz immenser Grundstückspreise ein großer, unbebauter Platz zur Verfügung steht ist schön – und kein Zufall. Nicht eine Schlacht auf dem grünen Rasen, sondern die Schlacht von Waterloo 1815 war der Anlass für die Anlage des damals von Kasernengebäuden umgebenen Platzes.

Hannover Waterlooplatz 1939

Hannover Waterlooplatz 1939 (ein intaktes Denkmal für Monarchie und Militär)

Der Waterlooplatz war auf das Leineschloss (im Bild rechts oben)  ausgerichtet, dennn schließlich besteht ein Platz nicht einfach nur aus weggelassenen Häusern, sondern ist eines der wichtigsten Gestaltungselemente im Städtebau. Ein schöner Platz lebt von der ihn umgebenden Bebauung und von akzentuierenden Denkmälern, Brunnen oder Ähnlichem. Oft dient er als Marktplatz profanen wirtschaftlichen Zwecken, seine volle Potenz aber entfaltet er, wenn er der Repräsentation dient. Schon in der Antike wurden in den Städten große Plätze für Aufmärsche und Versammlungen geschaffen. Außerdem brachten Plätze wichtige Bauwerke wie Schlösser oder Rathäuser gut zur Geltung.

Heutige Städteplaner haben meist keine so glückliche Hand mehr für die gelungene Gestaltung von Plätzen. Schön wäre es, wenn das nur an unserer pluralistischen Gesellschaft läge, die nicht mehr so zur Verherrlichung neigt (noch nicht mal im Fußball). Zu befürchten ist aber, dass das eher durch den Vorrang des Autoverkehrs bedingt ist. So zumindest scheint es auch beim Waterlooplatz in Hannover.

Hannover Waterlooplatz 2012

Hannover Waterlooplatz 2012 (eine Randnotiz zum Verkehrsgeschehen)

Von der Lavesallee (benannt ausgerechnet nach dem Planer des 1832 fertiggestellten Platzes!) und der Kreuzung mit der Gustav-Bratke-Allee ist der Waterlooplatz heute zu einer Art verbreitertem Grünstreifen degradiert. Die einstige Symmetrie und der ovale, von Bäumen betonte Umriss sind verloren. Von vergangner Pracht zeugt allein der Name noch – und die hohe Waterloosäule mit der Victoria.

Dass in Hannover überhaupt an die Schlacht von Waterloo erinnert werden sollte, lag an der Beteiligung der Soldaten des gerade erst gegründeten Königreichs Hannover an der siegreichen Allianz mit den Briten gegen das Heer Napoleons.

Ein paar Kriege später sah das Ganze dann so aus:

Hannover Waterlooplatz 1945

Hannover Waterlooplatz 1945 (nach dem Aufräumen)

Die schönen Modelle von Hannover im Ganzen ansehen kann man übrigens im Neuen Rathaus in Hannover.

Prag: Ginger und Fred

Wer als Tourist nach Prag reist, sucht meist vor allem die historischen Wurzeln der Stadt. Und auch für die Einwohner Prags selbst ist das geschichtliche Erbe der Stadt, die über Jahrhunderte eines der kulturellen Zentren Europas war, ein wichtiger Bezugspunkt.

Gehry Tanzendes Haus Prag, auch Ginger und Fred

Entsprechend hitzig waren die Proteste, als der internationale Stararchitekt Frank Gehry gemeinsam mit dem tschechisch-kroatischen Architekten Vlado Milunić direkt am Moldauufer, nur eine Straßenkreuzung stadteinwärts vom Karlsplatz entfernt, ein Hochhaus im dekonstruktivistischen Stil  plante, das 1996 fertiggestellt wurde. Die mitunter als „Katastrophenästhetik“ empfundene Ausrichtung passt in der Tat nicht in denkmalpflegerische Bestrebungen, die Irrungen und Wirrungen der Geschichte vergessen machen wollen. Wer Vergangenheit harmonisch verklären will, der setzt auf Rekonstruktion des Status quo ante. Was bei Computern per Systemwiederherstellung prima funktioniert …

Mit dem Gebäudekomplex sollte eine Baulücke geschlossen werden, die durch die Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gerissen worden war. Das neue Gebäude füge der Stadt eine noch schlimmere  Verletzung als die Bomben zu und erinnere bestenfalls an eine zerquetsche Coladose, befanden die Gegner des Neubaus. Dazu gibt es einensehr lesenswerten (wenn auch technisch veralteten) Essay von Josef Pesch.

Inzwischen sind die Kritiker verstummt – vielleicht bezwungen durch den beschwingten Charme des Gebäudes, das als „Tanzendes Haus“ im Stadtplan verzeichnet ist und den liebevollen Beinamen „Ginger und Fred“  trägt – womit an die nostalgisch-melancholische Eleganz des legendären Film-Tanzpaares Ginger Rogers und Fred Astaire erinnert werden soll. Das „Tanzende Haus“ wurde übrigens vom damaligen tschechischen Präsidenten Václav Havel sehr befürwortet – die von ihm erhofften kulturellen Impulse blieben allerdings aus. Im Gebäude befinden sich überwiegend Büros.

Dennoch empfindet wohl fast jeder Betrachter von „Ginger und Fred“, dass Architektur auch eine emotionale Ausstrahlung hat und in diesem Fall sogar eine überaus positive.

Gar nicht weit von Frank Gehrys und Vlado Milunićs Gebäude findet sich ein nicht minder kühner Versuch, architektonische Wunden nicht zu vertuschen, sondern mit Neuem zu füllen – ohne die Verletzungen zu leugnen.

Prag Emmauskloster

Das Dach der Kirche des Emmausklosters, die auf Karl IV. zurückgeht (und im Lauf der Jahrhunderte etliche bauliche Uminterpretationen genossen hat), wurde 1945 ebenfalls stark beschädigt. Im Jahr 1968 bekam die Kirche eine Dachkonstruktion aus geschwungenen Betonelementen, die sowohl an den verlorenen gotischen Giebel als auch an zwei im Barock hinzugefügte Westtürme erinnern sollen.